Karl Jaspers Vorlesungen zu Fragen der Zeit

Wie der Karl-Jaspers-Preis sind auch die Karl Jaspers Vorlesungen zu Fragen der Zeit nicht an eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Werk des Philosophen geknüpft. Hier wie dort ist es der besondere Geist, ist es die Weite des Horizonts, die mit dem Namen gewürdigt werden, und hier wie dort steht die Grenzen überschreitende Verständigung im Blick. Die Vorlesungen wurden 1990 von Rudolf Prinz zur Lippe und Ernst Albrecht, dem langjährigen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, der bei Jaspers in Basel studiert hatte, an der Universität Oldenburg ins Leben gerufen. Auf eine erste Phase, die bis 1995 dauerte, folgte 1997 eine zweite Phase mit verändertem Konzept. Seitdem werden die Vorlesungen von Reinhard Schulz organisiert.

In der ersten Phase, immerhin als deutscher Beitrag zur Weltdekade der UNESCO für kulturelle Entwicklung ausgezeichnet, kam alljährlich ein Gastprofessor vor allem aus Afrika, Asien oder Lateinamerika nach Oldenburg, um mehrere Wochen, gelegentlich ein ganzes Semester lang ein globales Problem der Gegenwart sowie daran anknüpfende Fragen der Zukunft aus seiner eigenen Perspektive zu erörtern. Im Hintergrund dieses interkulturellen Konzepts stand Jaspers’ Idee einer Weltphilosophie (siehe Internal LinkWerk/Weltphilosophie) und die Einsicht, dass Europa den Völkern dieser Kontinente, die es jahrhundertelang unterdrückt hatte, ein Forum bieten müsse, um sich aus der Enge seiner abendländischen Borniertheit zu befreien. Dazu boten neben den Vorlesungen öffentliche Seminare, interne Kolloquien und informelle Gesprächsrunden vielfältige Gelegenheit.

Mit Beginn der zweiten Phase ergaben sich einige Veränderungen in Ablauf und Zuschnitt. Waren die Gastprofessoren bisher vorwiegend aus Afrika, Asien und Lateinamerika gekommen, stammten sie nun in der Regel aus Deutschland und den Vereinigten Staaten, darunter philosophische Prominenz wie Jürgen Habermas und Richard Rorty, Dieter Henrich und Willard Van Orman Quine. Ausserdem wurde das Programm auf wenige Tage verkürzt, sah nun aber neben der Vorlesung des Gastprofessors eine Preisverleihung mit Laudatio und anschliessender Danksagung des Preisträgers sowie eine gemeinsame Podiumsdiskussion vor. Der Karl Jaspers Förderpreis wird an Wissenschaftler mit interdisziplinärer Ausrichtung vergeben und ist mit 2.500 Euro dotiert.