Werk

Massstab seines Philosophierens waren für Jaspers in eins das philosophische Leben und das philosophische Werk. An der Redlichkeit der Selbstbesinnung, am Mut, die eigenen existenziellen Fragen als existenzielle Fragen des Menschen zu stellen, und an der Unbekümmertheit gegenüber möglicher Kritik musste sich erweisen, ob sein Denken etwas Substanzielles zu bieten hatte.

Das erklärt, warum weite Teile seines Werkes nach 1945 fragmentarischen Charakter besitzen. Auch wenn sie gross angelegt und selbst bei normaler Lebenserwartung kaum zu realisieren waren, blieben sie nicht zuletzt deshalb unvollendet, weil Jaspers die Arbeit daran immer wieder unterbrach, um sein Denken in der Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen zu bewähren.

Ausserdem wird vor diesem Hintergrund die Vielzahl autobiografischer Schriften aus den Jahren nach 1945 verständlich. In ihnen band Jaspers das philosophische Werk an das philosophische Leben zurück, indem er zeigte, aus welchen Motiven es entstanden war und durch welche Erfahrungen es sich entwickelt hatte. Auf diese Weise machte er seinen Denkweg von der Psychopathologie über die Philosophie zur Politik transparent.