Jaspers-Professuren

Dass Karl Jaspers in den letzten Jahren zunehmend an Aktualität gewonnen hat, schlägt sich nicht nur in der Gründung neuer Internal LinkJaspers-Gesellschaften, sondern auch in der Einrichtung von Jaspers-Professuren nieder. An der Universität Heidelberg geschah das bereits 2010, an der Universität Oldenburg dann 2012. Und wie bei den Gesellschaften bestehen auch bei den Professuren enge Verbindungen zur Karl Jaspers-Stiftung.

Psychiatrische Klinik Heidelberg

Karl-Jaspers-Professur für philosophische Grundlagen der Psychiatrie an der Universität Heidelberg
Die 2010 am Zentrum für Psychosoziale Medizin der Universität Heidelberg eingerichtete „Karl-Jaspers-Professur für philosophische Grundlagen der Psychiatrie“ führt eine Tradition fort, die der Namensgeber selbst begründet hat: die Verbindung von psychiatrischer Forschung und philosophischer Reflexion. Dabei wird die existenzphilosophische Perspektive, auf die Jaspers den interdisziplinären Brückenschlag beschränkt hat, um phänomenologische, anthropologische und ethische Fragestellungen erweitert. Die Karl-Jaspers-Professur für philosophische Grundlagen der Psychiatrie ist also keine genuine Einrichtung der Jaspers-Forschung.
    Wenn die Beschäftigung mit Jaspers gleichwohl einen Schwerpunkt des neuen Lehrstuhls bildet, dann deshalb, weil mit Internal LinkThomas Fuchs ein Mitglied des Stiftungsrats auf die Professur berufen worden ist. Der Psychiater und Philosoph hat entscheidend mit dazu beigetragen, dass Jaspers’ „Allgemeine Psychopathologie“ in den letzten Jahren wieder stärker in den Mittelpunkt des Interesses gerückt ist. Von daher liegt es nahe, die im Rahmen der kommentierten Gesamtausgabe vorgesehene Arbeitseinheit „Internal LinkSchriften zur Psychopathologie“ an dem neuen Lehrstuhl anzusiedeln, zumal Thomas Fuchs als Leiter der Sektion „Phänomenologische Psychopathologie und Psychotherapie“ über ein hoch qualifiziertes Team von Wissenschaftlern verfügt, das in der Lage ist, diese zu kommentieren.

Karl-Jaspers-Haus Oldenburg

Karl-Jaspers-Stiftungsprofessur an der Universität Oldenburg
Im Unterschied zu Heidelberg ist die seit 2012 bestehende Jaspers-Professur in Oldenburg als genuine Einrichtung der Jaspers-Forschung konzipiert. An die seit 1990 stattfindenden Internal LinkKarl Jaspers Vorlesungen zu Fragen der Zeit anknüpfend, liegt ihre vornehmliche Aufgabe darin, „die Philosophie zu lebendiger Gegenwart zu bringen“ (Jaspers). Das soll auf verschiedene Weise geschehen: durch Aufbau eines Jaspers-Archivs, in dem alle Neuerscheinungen zu Leben und Werk des Philosophen gesammelt werden; durch Einwerbung von Mitteln, um Studien zu fördern, die sich mit dem Werk von Jaspers in seiner Bedeutung für die heutige Zeit befassen; durch Einrichtung eines Zukunftsforums, in dem Jaspers’ Philosophie für die gesellschaftlichen Herausforderungen von morgen erschlossen und über die akademische Forschung hinaus einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
    Angesichts dieser zeitgeschichtlichen Ausrichtung erscheint es sinnvoll, einen Teil der Editionsarbeiten an der kommentierten Gesamtausgabe nach Oldenburg zu verlagern. Das gilt insbesondere für die „Internal LinkSchriften zur Situation der Zeit“. Da jedoch zu einem besseren Verständnis des öffentlichen Intellektuellen Jaspers die autobiografischen Schriften sowie die Schriften zur Idee der Universität unverzichtbar sind, sollen die entsprechenden Arbeitseinheiten ebenfalls in Oldenburg platziert werden.
    Eng verknüpft mit der Einrichtung einer Karl-Jaspers-Stiftungsprofessur ist die Gründung eines Karl-Jaspers-Hauses in einer geräumigen, neu sanierten Villa. Es beherbert die 2009 erworbene, 11.000 Bände umfassende Arbeitsbibliothek von Jaspers, präsentiert darüber hinaus eine ständige Ausstellung zu Leben und Werk des Philosophen und verfügt über mehrere Wohnungen und Arbeitsräume für Fellows in Residence enthalten. Damit sind ideale Voraussetzungen für die Internal LinkKommentierung nicht nur der in Oldenburg zu bearbeitenden Bände, sondern der Edition insgesamt geschaffen.